Wo Krempel wieder Wert gewinnt
Der Krempelladen der Lions in Karlstadt ist eine Erfolgsgeschichte

Jeden Donnerstag von 10 bis 18 Uhr ist Karlstadter Krempelladen geöffnet und immer gut besucht. Foto: Günther Roth
Einmal in der Woche ist der Laden in der Karlstadter Hauptstraße 65 das bestbesuchte Geschäft in der Innenstadt. Jeden Donnerstag werden hier von 10 bis 18 Uhr Waren angeliefert, sortiert und aufgestellt und vor allem gekauft.
Eine Besonderheit aber ist, dass die Kunden meist hier ohne klare Kaufvorstellung kommen. Sie kommen um zu stöbern, um schöne alte Dinge zu entdecken vielleicht auch um sich in eines davon zu verlieben und für kleines Geld mit nachhause zu nehmen.
Ein Kaffee-Service in Weiß, nicht sehr aufwendig, eher schlicht. Aber eine Kundin betrachtet es wohlgefällig: „Es erinnert mich so intensiv an. das Geschirr, das bei meiner Mutter im Schrank stand und behütet wurde, bis irgendwann ein Stück nach dem anderen zerbrach“, sagt die Frau. Ein Herr entdeckt eine Suppenterrine, ein Teil, das heutzutage kaum noch jemand benutzt. Weiter hinten sind Glaswaren zu bestaunen und die Chefin selbst ist hellauf begeistert von einer Sammlung Silbergeschirr, Zuckerdöschen, Milchkännchen und so weiter.
Basar, Krutschgeschäft, Flohmarkt und Treffpunkt für Menschen
Was ist das hier? Ein Basar, ein Krutschgeschäft, ein Flohmarkt? Der Karlstadter Krempelladen ist von allem etwas, aber auch ein Treffpunkt für Menschen, die gerne miteinander reden, sich austauschen. Gegründet wurde er im November 2018, Initiatoren waren Manfred Walther und Anneheide Ehehalt. Zuvor hatte der örtliche Lions Club schon gut 30 Jahre Erfahrung mit Flohmärkten an heimischen Markttagen gemacht.
Für Manfred Walther ist der Karlstadter Krempelladen eine „Win-Win-Geschichte“, die vielen Menschen zum Vorteil gereicht: Da sind einmal die Leute, meist fortgeschrittenen Alters, die im Lauf ihres Lebens vieles angesammelt und vielleicht auch liebgewonnen haben, von denen sie sich aber nun Stück für Stück trennen müssen. „Diese Menschen sind froh, dass sie das, was sie ein Teil ihres Lebens begleitet hat, nicht einfach wegwerfen müssen, sondern über den Krempelladen an andere weitergeben können“, sagt der frühere Arzt. Die Leute haben das gute Gefühl, dass ihre Dinge noch einmal in Wert gesetzt und geschätzt werden.
Unikate, die man sonst nirgendwo findet
Gewinner sind auch die, welche für meist geringe Ausgaben immer wieder schöne Stücke finden, die sie vielleicht unbewusst schon immer gesucht haben.
Hier gibt es Unikate, die so nirgendwo anders zu haben sind. Oftmals sind es Fremde, Touristen, die hier in der oberen Hauptstraße ein Andenken an die Stadt Karlstadt mitnehmen, etwas was ihnen keiner bieten kann. ,,Manche von ihnen kaufen wie berauscht“, so Walther.
Die Preise sind eine Mischung aus Erfahrung und Bauchgefühl. Bei offensichtlich wertvolleren Sachen sieht man im Internet nach. Und Walther hat eine ganz besonders skurrile Geschichte auf Lager: Eines Tages stand im Geschäft eine große gelbe Tonvase, die von irgendwem aus irgendeiner Ungeschicklichkeit zerschlagen wurde. Nun gut, die Scherben mussten aufgefegt und beseitigt werden.
Der Erlös wird für wohltätige Zwecke genutzt
Doch kaum hatte der Verkäufer mit dem Kehren begonnen, sprach ihn eine fremde Dame aus Bremen an. Sie sei Künstlerin und arbeite mit farbigen Tonmosaiken und genau diesen gelben Farbton suche sie schon lange.
Klar, das Schwierigste war nun einen passenden Karton für die künftigen Kunstwerke zu finden.
Der dritte Vorteil des Krempelladens ist aber fast noch wichtiger. Der Ursprung liegt ja in den regelmäßigen Flohmärkten des Lions Clubs, deren Erlös seit jeher für wohltätige Zwecke genutzt wird.
Auch wenn diese Einnahmen selten üppig sind, kommt auf diese Weise immer wieder ein hübsches Sümmchen zusammen. Für die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 konnte man beispielsweise stolze 20.000 Euro spenden. Auch kleinere, überschaubare Hilfeleistungen können so erfolgen.
An Nachschub für den Krempelladen fehlt es eigentlich nie. Wenn sich donnerstags früh die Ladentür öffnet, geben sich Kunden und „Lieferanten“ praktisch die Klinke in die Hand sagt Manfred Walther. Früher musste man Mitglieder, Freunde und Bekannte nach brauchbaren Gegenständen abklappern, jetzt kommen die Leute von allein.
Oftmals sind es ganze Haushaltsauflösungen, die den Lions angeboten werden. Doch diese legen Wert darauf, dass sie gerne beraten, sich nicht aber aktiv an Auflösungen beteiligen. Schließlich sind die acht bis zehn ehrenamtlichen Helfer mit bis zu 150 Arbeitsstunden monatlich gut ausgelastet, denn es gilt auch einen Lagerraum zu betreuen, den die Zementfirma Schwenk zur Verfügung stellt.
„Ja ganz gewiss“, sagt Manfred Walther, „der Kempelladen ist eine Erfolgsgeschichte und für uns ist es einfach schön, mit Menschen in so einen guten Austausch zu kommen und dabei helfen zu können.“ ( th)